Maggio 1916

Frühjahrsoffensive - The Spring Offensive

Nicole-Melanie Goll

1915 entstand ein neuer Kriegsschauplatz, der sich von der Schweizer Grenze bis an den Gardasee, durch die Dolomiten, die Karnischen und die Julischen Alpen, quer durch das Isonzotal bis an die obere Adriaküste zog. Der Großteil der Front verlief damit über Gletscher und hochalpines Gelände, erreichte Höhen über 3.000m und stellte enorme Anforderungen an Mensch und Material. Die schroffen Geländeformen mit steilen Flanken und tiefen Tälern schränkten die Bewegungsmöglichkeiten größerer Truppenverbände erheblich ein. In der Folge entwickelte sich ein defensiver Stellungskrieg, der nur durch einzelne Offensiven unterbrochen wurde. Im Frühjahr 1916 unternahm die k.u.k. Armee eine Offensive, die den erwünschten Durchbruch erbringen sollte. Doch war auch diese letztlich zum Scheitern verurteilt.

 

Im Frühjahr 1916 verlagerte sich zur Entlastung der Isonzofront das Schwergewicht kurzzeitig nach Südtirol. Die Südtirol-Offensive (in Italien „Strafexpedition“ genannt) sollte der k.u.k. Armee den erhofften Durchbruch über das Gebirge in die venezianische Tiefebene bis zum Meer erbringen. Generalstabschef Conrad von Hötzendorf suchte bei seinem deutschen Pendant Erich von Falkenhayn um Waffenhilfe an, die nicht zustande kam, da die deutschen Kräfte in Verdun gebunden waren. Österreich-Ungarn musste in der Folge Truppen von der Ostfront, dem Balkan und der Südwestfront abziehen. Generaloberst Erzherzog Eugen oblag als Kommandanten der Südwestfront die Verantwortung für die Gesamtoperation, die für Ende März 1916 geplant wurde. Der Hauptstoß sollte durch die neu gebildete 11. Armee unter Generaloberst Viktor Dankl erfolgen. Die Planung und Durchführung der Offensive warf von Beginn an Probleme auf: der Transport von Truppen, schwerer Artillerie, Verpflegung, Material und Munition sollte unter äußerster Geheimhaltung erfolgen. Für den Transport aus dem Osten stand nur die Westbahn zur Verfügung, daneben gab es noch die Pustertalbahn, die Franzensfeste mit Innichen verband. Manche Truppentransporte erfolgten über Umwege: sie wurden von der Ostfront über die Slowakei, Oberösterreich, Schwarzach-St. Veit, Wörgl, Innsbruck über den Brenner in den Operationsraum geführt. Für die Herbeischaffung der notwendigen Truppenteile und des Materials wurden 1.450 Züge berechnet. Eine Zahl, die die Möglichkeiten der Bahn schnell erschöpften. Auch die vorhandenen Straßen, Seilbahnen und Bahninfrastrukturen, wie Verladestationen, waren für ein derartiges Unternehmen zu klein bemessen und mussten zuerst ausgebaut werden. Zudem mussten die in der „Frühjahresoffensive“ eingesetzten Truppenteile bis zur Verwendung versorgt und untergebracht werden. Aufgrund der Enge des Etschtales wurden diese auf die umliegenden Täler verteilt. Dies hatte schließlich auch Auswirkungen auf ihren Einsatzradius, denn so mussten die Soldaten von den angrenzenden Tälern zurück ins Etschtal und von dort aus über das Werk Serrada, über Folgaria und Vattaro auf die Hochfläche von Lavarone in ihre Bereitschaftsräume marschieren.

Auch das Wetter im Gebirge stellte in vielfacher Hinsicht ein Problem dar. Durch den einsetzenden Schneefall musste der für März geplante Angriff immer wieder verschoben werden. Die Zeit wurde von den k.u.k. Truppen zur Instandsetzung und Bau der notwendigen Infrastruktur, zur Aufklärung, Ausbildung (Märsche im Gelände) bzw. Schulung genutzt. Bis 11. April konnten 72 schwere und 97 Feld- und Gebirgsbatterien von der k.u.k. Armee in Stellung gebracht werden. Eine 10,4cm Belagerungskanone wurde dabei in einer Kaverne unterhalb des 1.900m hohen Gipfels des Cima di Vezzena untergebracht. Zwei 38cm Belagerungshaubitzen L/17 fanden unweit des Werkes Lusern bzw. im Etschtal Verwendung. Dass der Transport schwerer Geschütze die ohnehin engen Straßen blockierte, versteht sich von selbst. Bis Mitte April hatte man auch über 10.000 Tonnen Munition auf die Hochflächen geschafft.

Am 13. Mai wurde der Angriffsbefehl für den 15. Mai 1916 verkündet. Vor Beginn der Offensive wurde von Erzherzog Karl, Kommandant des XX. Korps folgende Order erteilt: „Es ist mit dem für uns kostbaren Menschenmaterial zu sparen. Es ist besser, ein Angriff dauert länger, führt mit geringeren Verlusten zum Ziele, als er wird in kurzer Zeit durchgeführt und kostet schwere eigene Verluste. Der richtige Führer muss sich nicht durch den schnellen Erfolg blenden lassen, er muss auch auf die volle Schlagfertigkeit seiner Truppe in Zukunft bedacht sein.“

Mit einem Vorbereitungsfeuer an der gesamten Angriffsfront wurde die Offensive um 6.00h morgens mit vier Korps (VIII., XX., III., XVII. Korps) mit insgesamt 157.000 Mann gestartet. Das VIII. Korps sollte dabei den rechten Flügel übernehmen und aus ihrem Bereitschaftraum Rovereto – Moietto –Monte Finonchio in Richtung Vallarsa, über den Monte Zugna, Col Santo, Passo della Borcola und Pian delle Fugazze in Richtung Schio vorstoßen. Das Zentrum des Angriffs hatten das XX. und III. Korps zu bilden. Sie sollten von Lavarone bzw. Lusern über die Hochfläche der Sieben Gemeinden und das Val d‘Astico bzw. über den Monte Kempel und Cima de Portule durch das Val d‘Assa in Richtung Thiene bzw. Asiago durchbrechen. Den linken Flügel übernahm das XVII. Korps, das über das Valsugana nach Primolano vorstoßen sollte. Unterstützt wurden die Korps von zugeteilten Fliegerkompanien, die taktische Aufklärung und Artilleriebeobachtung durchführten und einzelne Ziele bombardierten.

Nach anfänglichen Erfolgen wurde der Vormarsch durch rasch von der Isonzofront herangebrachte italienische Truppen erheblich gebremst. Hinzu kamen der Mangel an Munition, der die österreichisch-ungarische Artillerie zum sparsamen Umgang mit derselben zwang, Engpässe in der Versorgung, das schlechte Wetter (Kälte und Schnee) und fehlende bzw. zerstörte Infrastruktur, sodass die Offensive ab 23. Mai stecken blieb. Zwar konnten einige Erfolge wie etwa die Eroberung des Monte Pasubios, Monte Kempel (23. Mai) oder Monte Meletta (7. Juni) – teils unter erheblichen Verlusten – verbucht werden, doch täuschten diese nicht über die schwierige Situation hinweg. Dennoch überschlugen sich die Zeitungen Österreich-Ungarns mit Erfolgsmeldungen. Joseph Redlich kommentierte die Erfolge in seinem Tagebuch mit: „Was das alte Österreich nach zweijährigem Krieg noch fertig bringt!“

Generell konnte die 11. Armee dort die größten Erfolge verbuchen, wo die meiste Artillerie eingesetzt wurde. Dennoch stellte das Kampfgebiet, die zahlreichen tiefen und steilen Schluchten sowie unzugängliche Felswände, die es zu überwinden galt, gewaltige Hindernisse dar, deren Bezwingung mühsam und mit enormer Kraftanstrengung verbunden war. So scheiterte ein letzter Angriffsversuch am 16. Juni. Als schließlich auch noch Truppen von Südtirol an die Ostfront verlegt werden mussten, um diese im Zuge der Brussilow-Offensive zu stützen, wurde am 18. Juni der Befehl zum Rückzug erteilt. Einzelne Geländegewinne wie im Bereich der Sieben Gemeinden wurden wieder aufgegeben, die Front zwischen 24. und 26. Juni drei bis vier Kilometer – von den Italienern anfangs unbemerkt – nach hinten verlegt, sodass sich die Verteidigungslinie nun vom Etschtal über die Zugna Torta – Valmorbia – Monte Testo – Pasubio – Borcolapass – Monte Tormento – Monte Cimone – Casaratti – Casteletto – Roana – Interotto – Monte Dolore – Rücken zur Cima dell’Arsenale – Cima dieci – Salubio bis Setole erstreckte. Der Monte Pasubio und Monte Cimone wurde von den k.u.k. Truppen nicht aufgegeben. Eine von den italienischen Truppen zwischen 26. Juni und 8. Juli gestartete Offensive erzielte keine Geländegewinne.

Mit dem Ende Juni eingeleiteten Rückzug war die erste Großoffensive im Hochgebirge des Ersten Weltkrieges zu Ende gegangen. Das Zusammenspiel von zögerlichem Vorgehen der militärischen Führung der k.u.k. Armee sowie unzureichenden Planungen, die eigenen Truppen ausreichend mit Nachschub, vor allem Munition und Verpflegung zu versorgen, gepaart mit den natürlichen Gegebenheiten des hochalpinen Raumes sowie der fehlenden Unterstützung des deutschen Bündnispartner und das Herauslösen wichtiger Truppenteile und deren Transferierung zur Ostfront waren Faktoren, die die „Frühjahrsoffensive“ schließlich scheitern ließen.

 

Readings:

Artl, Gerhard. Die „Strafexpedition“. Österreich-Ungarns Südtiroloffensive 1916, Brixen 2015

Überegger, Oswald. Erinnerungskriege. Der Erste Weltkrieg, Österreich und die Tiroler Kriegserinnerung in der Zwischenkriegszeit, Innsbruck 2011

Mondini, Marco. Kriegsführung: die italienische Gebirgsfront, in: Kuprian Hermann J.W./Überegger Oswald (Hrsg.), Katastrophenjahre. Der Erste Weltkrieg und Tirol, Innsbruck 2014, S. 367-384.

In 1915 a new theatre of war was created stretching from the Swiss border to Lake Garda, over the Dolomites, the Carnian and Julian Alps and straight through the Isonzo valley as far as the northern Adriatic coast. As a result, most of the front ran over glaciers and high altitude Alpine terrain, reaching heights of over 3000 m and placed tremendous demands on men and materials. The rugged terrain with steep sides and deep valleys severely restricted the movement capabilities of the larger military units. Subsequently, defensive trench warfare set in, which was only interrupted by individual offensives. In spring 1916 the Austro-Hungarian army mounted an offensive, which was to bring the breakthrough they were hoping for. This offensive also however was ultimately doomed to fail.

 

In the spring of 1916, the focus of attention shifted temporarily from the Isonzo area to South Tyrol in order to relieve the Isonzo front. The South Tyrol Offensive (called the “Punitive Expedition” in Italy) was to bring the Austro-Hungarian army the breakthrough they were hoping for over the mountains and down onto the Venetian plain as far as the sea. Chief of the Austro-Hungarian General Staff Conrad von Hötzendorf requested military assistance from his German counterpart, Erich von Falkenhayn, which did not materialise as the German forces were tied up in Verdun. Austria Hungary was as a result forced to withdraw troops from the eastern front, the Balkans and the south-west front. Responsibility for the entire operation, which was planned for the end of March 1916, was left to Colonel General Archduke Eugen, in his capacity as Commander of the south-west front. The main attack was to be carried out by the newly-formed Austro-Hungarian 11th Army under Colonel General Viktor Dankl. The planning and mounting of the offensive posed problems right from the beginning: the transportation of troops, heavy artillery, food, materials and ammunition had to be carried out in utmost secrecy. Only the Westbahn (Austria’s main east-west railway line) was available for transportation from the East, along with the Val Pusteria railway, which connected Franzenfeste (Fortezza) with Innichen (San Candido). Some troops were even transported from the eastern front by means of a detour through Slovakia, Upper Austria, Schwarzach-St. Veit, Wörgl and Innsbruck over the Brenner Pass to the area of operation. It was calculated that 1,450 trains were required to bring in the units and materials, a number that soon exhausted the railway’s capabilities. It also emerged that the existing roads, ropeways and railway infrastructure, such as loading stations did not have the capacity for such an operation and first had to be upgraded. Moreover, the units assigned to mount the “spring offensive“ required provisions and accommodation until the time they went into action. As the Adige valley was so narrow, forces were distributed over the surrounding valleys. This ultimately had an impact on the deployment radius, as the soldiers had to return to the Adige Valley from the neighbouring valleys and march from there over Forte Dosso del Sommo, Folgaria and Vattaro onto the Lavarone Plateau to their assembly areas.

The mountain weather in many respects also presented issues. The attack planned for March had to be repeatedly postponed due to nascent snowfall. The Austro-Hungarian forces used the time they had on their hands to repair and construct the infrastructure they needed, for reconnaissance, drills (marching over terrain) or training. By 11th April the Austro-Hungarian army had managed to deploy 72 heavy and 97 field and mountain artillery batteries. A 10.4 cm siege cannon was housed in a cave under the 1,900 m high summit of Cima di Vezzena. Two 38cm L/17 siege howitzers were used not far from Forte Luserna and in the Adige valley. It goes without saying that the transportation of heavy cannons blocked the narrow roads. By mid April over 10,000 tonnes of ammunition had been stockpiled on the plateaux.

On 13 May 1916 the order to attack was announced for 15 May. Before the offensive started, the following order was issued by Archduke Karl, Commander of the 20th Corps: “It is to save what is to us precious manpower. It is better for an offensive to last longer and the objective be achieved with fewer losses than for it to be accomplished more quickly yet cost us dearly in casualties. A just leader must not let himself be blinded by rapid success, he must ensure his troops maintain complete readiness for future action.”

Once the offensive was prepared with preliminary fire along the entire front of attack, the offensive was launched at 6.00 am by four Corps (the 8th, 20th, 3rd and 17th) totalling 157,000 men. The 8th Corps was to take over the right wing and advance out of their assembly areas in Rovereto – Moietto –Monte Finonchio in the direction of Vallarsa, and over Monte Zugna, Col Santo, Passo della Borcola and Pian delle Fugazze in the direction of Schio. The 20th and 3rd Corps formed the centre of the attack. These were to move forwards from Lavarone or Luserna over the Asiago Plateau and Val d‘Astico and break through over Monte Kempel and Cima de Portule through Val d‘Assa in the direction of Thiene or Asiago. The 17th Corps took over the left wing, which was to advance along the Valsugana valley to Primolano. The Corps was supported by companies of aircraft assigned to carry out tactical reconnaissance and artillery observation and bomb individual targets.

After some initial success, the advance was slowed down considerably by Italian troops brought in quickly from the Isonzo front. In addition to this, ammunition was in short supply, forcing the Austro-Hungarian artillery to economise, which along with bad weather (freezing temperatures and snow) and the absence or destruction of infrastructure, brought the offensive to a halt from 23rd May. Although they were able to chalk up some successes, such as seizing Monte Pasubio, Monte Kempel (23 May) or Monte Meletta (7 June) – at times with considerable casualties –, these did not turn the difficult situation around. Nevertheless the Austro-Hungarian newspapers were filled with glowing reports of success. Joseph Redlich commented these as follows: “Just look what old Austria is still accomplishing after two years of war!”

In general the 11th Army achieved it greatest successes at the points where the most artillery was implemented. Nonetheless the battle zone, the large number of steep sided, deep ravines as well as impenetrable rock faces that had to be crossed, represented formidable barriers, which were extremely arduous to conquer and required enormous physical exertion. Thus a final attempt at attack on 16th June failed. Finally, when troops from South Tyrol had to be deployed on the eastern front in order to support the Broussilov Offensive, on 18th June the order was given to withdraw. Several territorial gains, such as those on the Asiago Plateau were given up once again; between 24th and 26th June the front moved back three to four kilometres – initially unnoticed by the Italians – so that the line of defence now extended from the Adige valley over Zugna Torta – Valmorbia – Monte Testo – Pasubio – Passo della Borcola – Monte Tormento – Monte Cimone – Casaratti – Casteletto – Roana – Interotto – Monte Dolore – the ridge leading to Cima dell’Arsenale – Cima Dieci – Salubio as far as Setole. The Austro-Hungarian forces did not give up Monte Pasubio or Monte Cimone. An offensive started by Italian troops between 26 June and 8 July did not result in any ground being gained.

With the retreat, which began at the end of June, the first major high-altitude offensive of the First World War came to an end. Hesitant action by the Austro-Hungarian military command along with insufficient planning and failure to supply their own troops with reinforcements, ammunition and food in particular, combined with the natural features of high altitude terrain as well as lack of support from their German allies and the detachment of important units for transferral to the eastern front were factors which ultimately led to the failure of the “spring offensive”.

 

Readings:

Artl, Gerhard. Die „Strafexpedition“. Österreich-Ungarns Südtiroloffensive 1916, Brixen 2015

Überegger, Oswald. Erinnerungskriege. Der Erste Weltkrieg, Österreich und die Tiroler Kriegserinnerung in der Zwischenkriegszeit, Innsbruck 2011

Mondini, Marco. Kriegsführung: die italienische Gebirgsfront, in: Kuprian Hermann J.W./Überegger Oswald (edited by), Katastrophenjahre. Der Erste Weltkrieg und Tirol, Innsbruck 2014, pages 367-384.